Leben in den Dämmerlanden

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Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

Die ersten Wochen nach der Katastrophe

Bereits wenige Tage nach dem Erblühen über Berlin sammelten sich die Einheiten der Reichswehr, um sich in einem verzweifelten Angriff dem übermächtigen Feind entgegen zu werfen. Doch die eilig zusammengetrommelten Truppen, nach dem Versailler Vertrag fast ohne schweres Gerät und meistens nur mit leichten Waffen ausgestattet, konnten kaum etwas gegen die Monstren ausrichten, die aus der verheerten Hauptstadt heraus krochen. In der schrecklichen Schlacht von Potsdam am 2. April 1922 fiel fast die Hälfte aller deutschen Soldaten an einem einzigen Tag. Die versprengten Überlebenden flohen in wilder Panik.


Nach diesem Tag des Grauens gab es keinen weiteren konzertierten Angriff der Reichswehr, sondern nur noch verzweifelte Rückzugsgefechte, wann immer eine neue Stadt der Finsternis anheimfiel. Die französischen, amerikanischen, britischen und belgischen Besatzungstruppen zogen sich in ungeordneten Absatzbewegungen aus Deutschland zurück, in der irrigen Hoffnung, damit dem Grauen entkommen zu können.


Niemand weiß genau, wie weit der schreckliche Einfluss des Azathoths heute reicht, doch nach wenigen Wochen hatten sich die schwarzen Aschenwolken - gespeist von vielen weiteren Blumen des Azathoths - über das ganze Gebiet der Weimarer Republik ausgebreitet, und keine von Menschen geschaffene Grenze würde sie aufhalten können. Die Menschen in den Dämmerlanden gehen heute davon aus, dass überall in den Ländern jenseits ihrer gefallenen Republik die Machtergreifung der kosmischen Schrecken begonnen hat. Sicher können sie jedoch nicht sein, denn die bestehenden Funkverbindungen sind ebenso ausgefallen wie die drahtgebundene Kommunikation über Telefon und Telegrafie. Was nicht von Menschen auf dem direkten Weg übermittelt wird, bleibt auf wenige Menschen beschränkt.

Was von den Menschen übrigblieb ...

In der Finsternis, die sich immer weiter ausbreitete, sank der Glaube der Menschen an eine Zukunft. Der Wahnsinn erfasste die Überlebenden der beginnenden Apokalypse, und wenn sie ihrem Leben nicht selbst ein Ende setzten, so sahen sie oft in jedem anderen Menschen einen Feind und Konkurrenten um die immer kärglicheren Ressourcen.


Nach dem Erblühen der Blumen Azathoths strömten aus den betroffenen Städten Tausende und Abertausende Flüchtlinge. Manche von ihnen waren von den grausigen energetischen Ausdünstungen so schwer geschädigt, dass sie starben, kaum, dass sie das scheinbar sichere Umland erreicht hatten. Andere veränderten sich auf grässliche Weise, so dass die Menschen aus den Gebieten jenseits der sich ausbreitenden Finsternis sie verfolgten und als angebliche Verbündete der Schrecken jagten und töteten. Angst und Panik führten zu schrecklichen Pogromen und Lynchjustiz. Bis heute sind in manchen Gebieten Jagdtrupps unterwegs, die keine andere Aufgabe in dieser Welt sehen, als alle Menschen und Kreaturen abzuschlachten, die irgendwie mit dem Mythos und seinen Kulten in Verbindung standen. Sie erkennen dabei in ihrem selbstgerechten Wahn nicht, dass sie oft genug selbst die Boten des Grauens sind und sich an völlig Unschuldigen und Unbeteiligten vergehen.


Die Jahre seit 1922 haben überall dafür gesorgt, dass nur noch die Menschen am Leben geblieben sind, die der ewig dunklen Welt der Dämmerlande widerstehen können. Wer zu schwach war, fiel häufig genug der Asche oder den Monstern zum Opfer, bisweilen auch den Überlebenden selbst. Man könnte deshalb wohl meinen, dass nur, wer sich selbst verteidigen kann, eine Chance zu überleben hat, doch oft genug werden diejenigen, die eine für seine Umgebung nützliche Fähigkeit besitzen (egal, ob es sich dabei um ein spezielles Wissen oder eine handwerkliche Fertigkeit handelt), von den eher martialisch begabten Mitgliedern der Gemeinschaft beschützt. Spezialisten, egal welchen Gebiets, sind rar geworden in einer zerstörten Welt.


Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Es geht nicht mehr darum, welchen Titel oder welchen sozialen Status man innehat, es geht nicht einmal mehr um das Geschlecht. Alle Dinge, die in der Gesellschaft vor kurzem noch solche Bedeutung hatten, dass sich alles um sie zu drehen schien, sind unwichtig geworden. Da viele Männer in den sinnlosen Schlachten gegen die Kreaturen des Mythos umgekommen sind, übernehmen Frauen heute jeden Posten völlig gleichberechtigt neben den männlichen Mitgliedern der Gemeinschaft. Rein zahlenmäßig stellen sie heute gar die deutliche Mehrheit in den meisten Ansiedlungen. Es ist somit völlig egal geworden, mit wem man lebt oder mit wem man zusammen durch die Lande zieht, solange man sich nur auf diese Person verlassen kann.


Eine der wichtigsten Aufgaben aller Menschen ist jedoch der Schutz der wenigen Kinder, die überlebt haben oder die sogar seit der Apokalypse geboren wurden. Sie sind die Zukunft, auf die alle hoffen, und wenn man irgendwann versuchen will, die Welt oder auch nur Teile davon wieder für die Menschheit zurück zu erobern, dann sind sie der einzig mögliche Schlüssel zur eigentlich unmöglich erscheinenden Lösung aller Probleme.

Verstecke und Siedlungen

Die ehemaligen Städte sind fast alle verlassen. Die meisten sind entweder dem Erblühen einer Blume Azathoths zum Opfer gefallen sind oder wurden von ihren Bewohnern aus Angst vor den heranstürmenden Kreaturen der Finsternis verlassen.

Die einzige Ausnahme stellen die Oasen des Lichts dar, die - aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer - von der Dunkelheit der Dämmerlande verschont geblieben sind. Nähert man sich einem dieser Orte, so wirkt er wie eine von riesigen Scheinwerfern angestrahlte Bühne, auf der man eine Stadt aufgebaut hat, die bizarre Kulisse einer Welt, die nicht mehr existiert. So wie in den Dämmerlanden nie die Sonne aufgeht und nicht einmal der Mond den Weg an den Himmel findet, über den sich bizarre, sich umeinander windende Wolken bewegen, so befindet sich über den Oasen nur ein unnatürlich blauer Himmel, von dem das Licht herab strahlt, obwohl keine Sonne zu sehen ist. Nicht alle Menschen kommen mit diesem Umstand klar, und einige verkriechen sich in abgedunkelten Gebäude, deren Fenster mit Brettern vernagelt oder gar zugemauert sind, um wenigstens eine kurze Zeit dem gleißenden Strahlen zu entkommen.


Außerhalb der Städte gibt es nur noch kleine Siedlungen, manchmal nur von einer Familie bewohnt, manchmal von einigen Dutzend Menschen, die sich zusammengeschlossen haben, um dem Grauen die Stirn zu bieten oder sich einfach nur vor ihm zu verbergen. Die meisten dieser Orte liegen an geheimen Orten und sind getarnt. Einigen reicht es, wenn ihre Heimat keinerlei Zeichen irgendwelcher Bewohner zeigt, andere errichten ganze Dörfer an versteckten Plätzen unter der Erde, in Seen oder in Höhlen. Nur die wenigsten stellen sich offen zur Schau, meistens dann, wenn sie eine gut zu verteidigende Position und die nötige militärische Ausrüstung haben, um sich auch stärkeren Gegnern stellen zu können.


Eine der bekanntesten Festungen Deutschlands ist die Reichsburg Cochem an der Mosel, die mit ihrer starken Besatzung und ihren schweren und leichten Waffen die Flussbiegung nahe der Burg sicher beherrscht.

Auf dem Weg durch die Finsternis

Wer sich hinaus unter den schwarzen Himmel wagt, der muss sich jederzeit vor den ständig herunterschwebenden Ascheflocken schützen. Lange Mäntel aus imprägnierten Stoffen oder Leder, Gasmasken oder andere Schutzbrillen mit hochgezogenen Schals unter großen Kapuzen, schwere Stiefel, in denen die Hosen stecken … wer einem Menschen mit einem solchen Schutzanzug gegenüber steht, wird kaum erkennen können, um wen oder was es sich dabei handelt.


Doch fast noch wichtiger als die passende Kleidung ist ein Fahrzeug, um sich durch die Lande zu bewegen, wenn es nicht gerade um einen kleinen Botengang oder eine Patrouille der direkten Umgebung geht. Normalerweise wird man sich einen Brummer besorgen, eines jener hochgerüsteten Fahrzeuge, die von ihren Kampffahrern aufgebaut und am Laufen gehalten werden. An den wenigen Stellen, wo das Chaos des Untergangs noch Schienenstränge zurückgelassen hat, findet man bisweilen auch Lokomotiven und einzelne Waggons, die einige Siedlungen miteinander verbinden (einige Züge sind sogar als dauerhafte, bewegliche Siedlungen ausgebaut). Auch manche Flüsse sind noch schiffbar, wenn man auch damit rechnen muss, dass unter der Wasseroberfläche so manches unwirkliche Getier auf Beute lauert, das auch in der Lage ist, ein Boot in die dunklen Fluten zu reißen.


Die meisten Fahrten durch die Dämmerlande dienen der Versorgung verschiedener Orte mit Nachschub jeder Art. In einer Welt ohne Geld lebt dieses Geschäft vor allem vom Tauschhandel. Wer etwas Interessantes anzubieten hat, kann dafür auch einiges an Gegenleistungen verlangen. Doch gerade die Trosser, die weite Strecken hinter sich bringen und viele Menschen treffen, haben immer eine äußerst wichtige Handelsware bei sich: Informationen. Ohne Funk, Telefon oder Telegrafie ist es nicht nur wichtig, sondern auch schwierig, die Verbindung zwischen weit entfernten Orten aufrecht zu erhalten, wichtige Dinge zu erfahren oder zu verbreiten. Jeder Tross, der sich durch die Finsternis bewegt, nimmt deshalb auch die Aufgabe eines Posttransporters wahr, der Briefe von einem Ort zum anderen trägt. Man muss nur davon ausgehen, dass die meisten schriftlichen Nachrichten auf dem Weg ach gelesen werden. Wie gesagt, Informationen sind ein wichtiges und teures Gut.

Ganz unerschrockene Trosser wagen sich auch auf die mit Trümmern übersäten Schlachtfelder des ungleichen Krieges oder in die Aufmarschgebiete der ehemaligen Besatzer, immer auf der Suche nach Dingen, die man im Kampf um die Zukunft noch gebrauchen kann. Schwere, eventuell gar gepanzerte Fahrzeuge sind zwar kaum noch zu finden, doch da die Flucht der verschiedenen Armeen so überstürzt erfolgt ist, haben sie dennoch einiges an Ausrüstungsgegenständen zurückgelassen, die man nur noch finden muss.

Szenarioaufhänger

  • Als die Charaktere an einem kleinen Landhof eintreffen, werden sie mit einer Truppe konfrontiert, die sich selbst die „Reiniger“ nennen. Es handelt sich um schwer bewaffnete Fanatiker, die mit Flammenwerfern alles niederbrennen, was ihrer Vorstellung von lebenswertem Leben nicht entspricht. Sie wurden ursprünglich gerufen, um die Familie gegen eine Bestie zu verteidigen, doch inzwischen haben sie bei einem oder mehreren Einwohnern Mutationen bemerkt (siehe Mutationstabelle), und der eigentliche Auftrag ist in Vergessenheit geraten. Die unschuldigen Opfer werden als verdorbene Kreaturen Azathoths betrachtet und sollen brennen, im Zweifelsfall zusammen mit ihrer ganzen Familie. Die Charaktere müssen dieses Verbrechen verhindern und vielleicht sogar dem unbekannten Wesen gegenübertreten, das sich jetzt, wo die Wächter der Ansiedlung nicht mehr aktiv sind, der eigentlich geplanten Beute wieder nähert.
  • Während einer Überlandfahrt muss der Tross der Charaktere einem Hindernis ausweichen (z. B. einer unbekannten Kreatur, welche die Straße versperrt). Auf diesem unfreiwilligen Umweg stoßen sie an einem unzugänglichen und abgelegenen Ort (wie einer einsamen Schlucht) auf die Überreste eines Jahre zurückliegenden Kampfes (die Spielleitung möge selbst entscheiden, wer hier gegen wen gekämpft hat, aber es sollte schon ein größeres Gefecht gewesen sein). Das vergessene Schlachtfeld ist eine wahre Fundgrube an Waffen und militärischen Ausrüstungsgegenständen, doch zwischen den Überresten menschlicher Herkunft befinden sich auch Objekte, die von den Kreaturen der Finsternis, gegen die man hier gekämpft hat, zurückgelassen wurden. Die Artefakte können einfach geborgen werden, doch welche Wirkung sie auf die Menschen haben, die sie nun längere Zeit bei sich tragen, lässt sich kaum ermessen. Vielleicht wagen sich die Charaktere sogar an die Bergung eines Kadavers, von dem man hoffen kann, ihn an eine Mythos-Forscherin zu verkaufen. Doch sind diese Wesen wirklich tot, wie man es sich bei einem Menschen vorstellt, oder können sie immer noch eine Gefahr darstellen?
  • Eine Gruppe von Trossern wird von einem Fremden in einem Dorf gebeten, eine geheime Depesche zu überbringen. Der dicke Umschlag ist groß genug, um neben einem Brief auch eine verschlossene Schachtel aus schwarzem Holz aufzunehmen, in der sich ein Gegenstand von der Größe eines Buches oder einer Flasche befinden könnte. Das Schreiben, gerichtet an einen Erforscher des Mythos, den die Charaktere bereits früher getroffen haben, beschreibt, dass der enthaltene Gegenstand zu einer wirksamen Waffe im Kampf gegen die Aschenkriecher und andere Kreaturen werden könnte, wenn man sein Geheimnis aufdeckt. Die Schachtel dürfe aber nur von einem Experten geöffnet werden. Was befindet sich in der Depesche, und wird es den Charakteren überhaupt gelingen, einen unbemerkten Blick ins Innere zu erhaschen? Ist die Geschichte rund um das Schreiben wahr, oder soll sie nur dazu dienen, einen Gegner Azathoths auszuschalten, indem die Falle zuschnappt, sobald er die Schachtel öffnet? Wieso leiden so viele Menschen, die die Depesche in Händen hielten oder nur in ihrer Nähe waren, an seltsamen Halluzinationen von kriechenden Wesen in düsteren Schatten? Werden die Charaktere die Trosser-Ehre hochhalten und das Schriftstück überbringen, oder werden sie sich anders entscheiden, aus Sorge um den Empfänger oder aus purer Gier?