La Bestia

Zusammenfassung Abfahrt Der Schrecken beginnt Das Tiefe Wesen Mögliche Enden Epilog NPCs Forum

Ein Szenario über eine Flucht in Südamerika, 2. Platz beim FHTAGN-Fragmente-Wettbewerb 2021.

– DraKi, 2021

Im riesigen Netz aus Unterwasserhöhlen auf der Halbinsel Yucatan herrschten einst Tiefe Wesen. Um diese gnädig zu stimmen, stießen die Maya Menschenopfer die Cenoten hinab. Das Ausbleiben regelmäßiger Blutopfer in den letzten Jahrhunderten und das Austrocknen der Höhlen infolge klimatischer Veränderungen schwächte die Tiefen Wesen und bewirkte, dass sie austrockneten eine mumienähnliche Gestalt annahmen.

Der exzentrische Tech-Milliardär Christopher Rogers finanziert eine Gruppe Maya-Forscher. Als diese eine der „Mumien“ finden, verladen sie den Fund in einen versperrten Zugwaggon und schicken ihn in Richtung USA zu ihrem Mäzen.

Der Zug, der von Honduras kommend durch Mexiko bis hinter die US-amerikanische Grenze führt, ist bei der Bevölkerung Südamerikas unter dem Namen „La Bestia“ bekannt. Rund eine halbe Million Migranten versuchen jedes Jahr auf dem Dach des Zuges in die USA zu gelangen. Nicht wenige sterben bei diesem Versuch 1). Die Charaktere der Spieler:innen sind solche Migrant:innen.

Während der gefährlichen Fahrt durch den Dschungel Mittelamerikas wird bei einem Unwetter Regen in den Wagon eindringen und das Tiefe Wesen erwecken. Durch die Feuchtigkeit erstarkt das Wesen immer mehr. Zunächst manipuliert es die Flüchtenden am Dach des Zuges um ein Blutvergießen zu provozieren. Bis es stark genug ist seinen Tribut zu verlangen.

In der Nacht vor der Abfahrt von La Bestia haben sich die Charaktere und dutzende weitere Menschen einige hundert Meter hinter dem Bahnhof von Tapachula entlang der Gleise versammelt. Sie alle haben ein Ziel: ein neues Leben in den Vereinigten Staaten. Die Charaktere können erste NPCs kennen lernen oder Informationen für die Reise sammeln.

Als in den frühen Morgenstunden das Signalhorn ertönt, kommt hektische Betriebsamkeit ins Lager. Es gilt, im rechten Moment auf den Zug aufzuspringen (Athletik +20%). Wer einen Misserfolg hat, bekommt nur ein Stück des Zuges zu greifen und muss sich mit ST emporziehen. Misslingt auch die ST-Probe, werden die Konsequenzen mit einem 1W10-Wurf ermittelt:

W10 Konsequenz
1-5 zufälligen Gegenstand verloren
6 gesamter Besitz verloren
7 Abschürfung (1W4 Schaden)
8 Beinverletzung (1W6 Schaden)
9 Beinverletzung (1W8 Schaden, Wunde, entzündet sich, wenn unversorgt)
10 Fuß verloren

La Bestia ist ein Güterzug bestehend aus insgesamt 18 Wagons und einer Lokomotive mit einer dreiköpfigen Mannschaft. Der Wagon der Charaktere, in dem sich auch das Tiefe Wesen befindet, liegt im letzten Drittel und besteht aus Eisen. Über eine (verschlossene) Klappe auf dem Wagondach, kann man sich gewaltsam Zugang zum Inneren verschaffen.

La Bestia ist permanent in Bewegung. Der Zug stoppt für nichts und niemanden. Auf dem Dach ist man den Elementen gnadenlos ausgeliefert und muss jederzeit damit rechnen, von niedrig hängenden Ästen hinabgeworfen zu werden. Die kurzen Aufenthalte könnten genutzt werden, um beispielsweise Essen von Farmen zu stehlen oder Medikamente zu besorgen. Doch La Bestia wartet nicht. Wasser- und Nahrungsmangel setzen den Menschen am Dach des Zuges zu. Übergriffe sind auch vor dem Erwachen des Tiefen Wesens keine Seltenheit.

In der Nacht vom vierten auf den fünften Tag zieht ein schweres Unwetter auf. Grollender Donner und strömender Regen sorgen für eine unruhige Nacht. Am Morgen kann man beobachten, dass Passagiere nasse Kleidung aus den Fenstern hängen - offenbar ist die Feuchtigkeit sogar in die Wagons eingedrungen.

Sensible Charaktere haben den ganzen Tag ein seltsames Gefühl - so als stünde ein großes Unglück bevor. Außerdem scheinen mehrere Passagiere noch gereizter als sonst. In der kommenden Nacht träumt einer der Charaktere (z.B. die Anführerin der Gruppe oder jemand, der tagsüber am aggressivsten war) von einem Opferritual der Maya. Abhängig davon was tagsüber passiert, könnte er z.B. eine Maya-Priester sein, der Menschenopfer in eine Höhle hinab wirft.

Der sechste Tag beginnt mit Geschrei. Ein Mitreisender ist verschwunden und Spuren von Fingernägeln am Dach, wie auch Blut deuten auf ein Verbrechen hin. Eine weitere Passagierin, Maria, behauptet, gesehen zu haben, wie jemand über Bord geworfen wurde. In den folgenden Tagen kommt es zu weiteren mysteriösen Todesfällen und seltsamen Träumen, die sich alle rund um den Wagon der Charaktere konzentrieren.

Das Tiefe Wesen ist kurz nach seinem Erwachen noch zu geschwächt um sich zu bewegen. Es kommuniziert daher nur telepathisch mit einzelnen Reisenden, wobei es keine klaren Befehle sendet, sondern die Wut, die Ängste und die niederen Triebe seine Opfer stärkt. Es versucht, diese dadurch zu einem Blutvergießen zu bewegen und wird stärker, je mehr Blut auf dem Wagon vergossen wird und durch Ritzen und das feuchte Holz auf das Tiefe Wesen tropft. Erhält ein Spielercharakter Eingebungen des Tiefen Wesens, kann ihm z.B. mitgeteilt werden, dass er sich zornig und angespannt fühlt oder dass ihm eine bestimmte Eigenschaft einer Mitreisenden aufregt. Wie der Charakter daraufhin handelt, sollte der Spielerin überlassen werden. Die Charaktere können aber auch aus edlen Motiven Blut vergießen - etwa wenn sie einen anderen Reisenden vor Gewalt schützen wollen.

Durch die Anwesenheit des Tiefen Wesens kommt es außerdem zu Träumen und Visionen, in denen die Gegenwart mit der Maya-Vergangenheit des Tiefen Wesens verschwimmt.

Sollten die Charaktere in den verschlossenen Wagon eindringen, finden Sie dort eine blutbefleckte Holztruhe. Je nachdem wie viel Zeit bereits vergangen ist, ist die Truhe geschlossen, teilweise beschädigt oder ohne Deckel und das Tiefe Wesen in ein anderes Abteil verschwunden.

Sollte es zu einer Konfrontation mit dem Tiefen Wesen kommen, ist zu beachten, dass dieses durch die lange Trockenheit geschwächt ist (je nachdem wie viel Blut bereits vergessen wurde, hat es etwa 50-75% seiner ursprünglichen TP, eventuell leidet es auch noch an weiteren Schwächen wie weniger dicker Haut oder Angst vor Hitze). Wird der Wagon abgekoppelt und im Dschungel zurückgelassen, wird das Tiefe Wesen die umliegenden Dörfer heimsuchen. Wird das Blutvergießen gestoppt, verlangsamt das die Erweckung des Wesens. Andernfalls wird es ihm noch vor der US-Grenze gelingen den Wagon zu verlassen und selbst nach frischem Blut zu suchen.

  1. Bäume hängen über die Zugstrecke: Wer sich nicht rechtzeitig duckt wird heruntergerissen, wer geschickt ist ergattert Äste, deren Blätter Schatten spenden können.
  2. Ein Tunnel: Wer nicht rechtzeitig den Kopf einzieht, wird hinabgeworfen.
  3. Ein Ruckeln geht durch den Zug: Wer sich nicht irgendwo anhält, fällt hinab.
  4. Der Zug hält bei einem Bahnhof oder einer Grenze: Es gilt sich vor dem Personal zu verstecken.
  5. Der Zug hält in der Wildnis: Man kann hinabklettern und Nahrung sammeln, sollte aber rechtzeitig zurück sein.
  6. Die Sonne brennt unbarmherzig herab. Wer keinen Schatten findet, erleidet einen Hitzeschlag.
  7. Zwischen Passagieren bricht ein heftiger Streit über einen Schlafplatz aus.
  8. Ein Passagier fällt vom Zug.
  9. Der Zug hält in einem Dorf mit Apotheke
  10. Ein Passagier verliert die Nerven und schreit die ganze Nacht hindurch.
  11. Bei einem Bahnhof kommt es zu einem Raubüberfall auf die Migrant:innen.
  12. Lokale Familien werfen Säckchen mit Wasser, Essen und Medizin auf den vorbeifahren Zug.

Sollte ein Charakter es bis zur Grenze schaffen, wird sein weiteres Schicksal mit einem d6 ausgewürfelt:

W6 Schicksal
1 Du wirst beim Versuch die Grenze zu überqueren von der mexikanischen Polizei gefasst. Nach Monaten in einem Lager wirst du in dein Heimatland abgeschoben.
2 Nach Wochen voller Entbehrungen hast du es in die USA geschafft und Arbeit gefunden. Du verdienst genug um auch deine Familie zu unterstützen.
3 Wie 2, zusätzlich: Nach einem Jahr wirst du abgeschoben.
4 Von den Erlebnissen der Reise traumatisiert, bist du verwirrt durch den Dschungel gewandert und schlussendlich verdurstet. Du bist einer der unzähligen namenlosen Toten im Grenzgebiet.
5 Du hast erfolgreich die Grenze überquert und bist Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten angekommen. Dort gelingt es dir nicht Arbeit oder Anschluss an die Gesellschaft zu finden.
6 Beim Versuch die Grenze zu überqueren wirst du umgebracht.
Sergio, 20
idealistischer, kontaktfreudiger Journalist aus Nicaragua: flüchtet, da er zu Drogenkartellen recherchierte und bedroht wird.
Antonio, 27
ist bereits einmal mit La Bestia in die USA gereist und hat dort 4 Jahre am Bau gearbeitet, bevor er abgeschoben wurde. Seine Frau und sein Sohn sind noch in den USA.
Lucia, 19
Krankenpflegerin und Schwester von Antonio, möchte in die USA um Geld zu verdienen und der konservativen Familie zu entfliehen.
Maria, 24
Computerexpertin, die in die Veröffentlichung der Panama Papers involviert war und aus Angst vor Verfolgung flüchtet.
Enzo, 25
Ex-Junkie und Ex-Dealer, der hofft in den USA genug zu verdienen, um seine Familie in Guatemala zu versorgen. Es ist sein 3. Fluchtversuch.

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