Das flirrende Sigulum von Maripexa

Ein merkwürdiges Ritual im Herzen des Dschungels

– Nach einer Idee von Uwe Mechenbier, 2018

Mitten im Dschungel des Amazonasgebietes wachsen seltsam verdrehte Urwaldriesen auf einer fauligen, feuchten Lichtung nahe beieinander. Ihre dürren, blattlosen Äste sind wie die knochigen Finger einer alten Frau ineinander verknotet.

Zu jeder Neumondnacht formen sich aus Ameisenschwärmen, die über die Äste krabbeln, seltsame Kreise, Spiralen und Linien.

Der Stamm der Maripexa („Ameisen-Tänzer-im-Licht-des-Mondes“) meidet in dieser Nacht diesen Ort. Die Dschungelbewohner, ein etwa 200 köpfiger Stamm, bewohnt die umgehende Landschaft. Sobald die Schwärme ihre verwirrenden, ineinander gedrehten Positionen eingenommen haben, verharren sie bis zum Sonnenaufgang dort wie ein einziges Tier.

Und dann … dann leuchten ihre winzigen Körper in zitringelbem Licht und enthüllen dem Betrachter schreckliche Wahrheiten und er hört ein flüstern von jenseits der Sterne …

„Carcosa“ murmeln diejenigen, die zu lange das flirrende Sigulum betrachteten … und bleiben als sabbernde Idioten zurück … die ihre leeren Augen in den Nachthimmel richten.